Ein erster Blick auf
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In diesem speziellen Dezember werden wir jeden Freitag eine neue Branche und die Auswirkungen des StaRUG besprechen, beginnend mit einem kurzen Rückblick auf das Gesetz.

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Season's Greetings

Episode 4 – Steigende Bedeutung: Nachhaltigkeit in der Restrukturierung | Gekommen, um zu bleiben: Welche Vorteile es hat, wenn Restrukturierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen

Mit den drei Experten Matthias Müller & Volker Riedel von Wieselhuber & Partner und Detlef Specovius von Restructum sprechen wir darüber, warum Nachhaltigkeit in der Restrukturierung für alle Beteiligten zu einem maßgeblichen Erfolgsfaktor geworden ist, welche Besonderheiten es bei einer nachhaltigen Finanzierung zu beachten und welche Möglichkeiten das StaRUG, aber auch das Insolvenzrecht in diesem Zusammenhang bieten.

Matthias Braun: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Restructum-Podcast. Mein Name ist Matthias Braun und ich freue mich, dass ich heute drei ausgewiesene Restrukturierungs- und Sanierungsexperten hier bei mir habe. Das ist einmal Volker Riedel und Matthias Müller, beide von Wieselhuber. Hallo es freut mich, dass Sie da sind. Und Herr Specovius ist ebenfalls bei uns von Restructum. Hallo auch an Sie Herr Specovius. Wir wollen uns heute mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Finanzierung und bei einer Sanierung beschäftigen. Wobei wir Nachhaltigkeit gar nicht so sehr im Aspekt Umweltschutz betrachten wollen, sondern eher in Richtung der Langlebigkeit oder der andauernden Finanzierung oder Sanierung. Und ich würde gerne mit einer Frage an Sie starten Herr Riedel: Bei der Finanzierung spielt ja Nachhaltigkeit in der Tat eine immer größere Rolle. Das ist einmal auf der Investorenseite aber auch auf der Unternehmensseite der Fall. Also Stichwort bei den Investoren ESG-Faktoren und bei der Unternehmensseite hat das ja auch teilweise sehr viel mit dem Geschäftsmodell, oder der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells zu tun. Wie ist denn aus Ihrer Sicht da die Entwicklung?  

Volker Riedel: Wenn wir uns die ESG-Kriterien anschauen dann haben wir sicherlich nach wie vor in Deutschland noch zwei Welten. Wenn Sie auf Investorenseite schauen, gerade dort wo internationale und institutionellen Investoren unterwegs sind, gibt es ganz harte Prüfungen für Investments. Auch gerade diejenigen die in Private Equity investieren, im Hinblick auf ESG-Kriterien. Also das heißt wie sind die Investments in Richtung Environment, Social und Governance ausgerichtet und es gibt Private Equitys, die aus heutiger Sicht sagen: Die einzige value creation die zukünftig entsteht, entsteht aktuell aus dem Nachhaltigkeitskriterium heraus. Also es ist sozusagen, wenn wir auf die Kapitalströme schauen, ein deutliches Anziehen aber das auch schon seit einigen Jahren verspüren. Unternehmen beginnen sich langsam aber sicher darauf vorzubereiten. Das ist ein bisschen so wie die Digitalisierung, da reden wir auch seit 20 Jahren darüber möglicherweise sogar noch länger und reden heute immer noch davon, dass wir was tun müssen. Also insofern glaube ich, haben wir hier eine Entwicklung vor uns, die entscheidend ist. Banken sind aktuell noch recht wenig auf dieses Thema eingestellt, sie haben es mittlerweile adressiert. Sie versuchen für ihre Bonität Kriterien zu ermitteln, generieren auch Daten von Unternehmen die zum Beispiel die Nachhaltigkeitsberichte machen und versuchen daraus im Grunde genommen etwas abzuleiten. Aber wenn wir von Finanzierung und Nachhaltigkeit reden, dann wird es sicherlich was das Geschäftsmodell des Unternehmens anbetrifft, dann müssen diese Kriterien erwähnt/adressiert werden. Und es muss auch eine Idee dafür geben, wie sich das Unternehmen in diesem Umfeld bewegt. Beispiel Automotive: Wer sich nicht an diese Nachhaltigkeitsregeln hält, wird früher oder später aus der Lieferkette rausfallen. Das haben die Finanzierer verstanden und deswegen müssen wir agieren. Wir selber haben Nachhaltigkeit in der Finanzierung aber auch nochmal anders definiert nämlich eher „wetterfest“, also robust sein, tragfähig sein und zukunftsfähig sein. Also habe ich ausreichend Spielräume, kann ich den Kapitaldienst tragen und vor allem kann ich auch mit den unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten entsprechend flexibel sein? Das ist für uns Nachhaltigkeit im engeren Sinne für die Finanzierung.

Detlef Specovius: Herr Riedel, eine Zwischenfrage von mir: Wenn diese Kriterien verstärkt Anwendung finden, die Sie gerade skizziert haben führt, das aber nicht dazu, dass bestimmte Branchen möglicherweise in Zukunft erhebliche Probleme bekommen werden sich zu finanzieren? Mit der Folge, dass wenn ich zum Beispiel so ein Verfahren vorbereite und ich einen entsprechenden Restrukturierungsplan für die Eigenverwaltung vorbereite, ich da schon erhebliche Probleme habe die Nachhaltigkeit der Durchfinanzierung darstellen zu können.

Riedel: Das kann für Sie zum Beispiel in so einem Eigenverwaltungsplan faktisch ein K.O. Kriterium sein. Da geht es noch nicht mal um Grautöne, dass ist tatsächlich, glaube ich, eine schwarz-weiße Entscheidung. Wenn Sie also sozusagen hier ob jetzt Investoren, Gläubiger, Banken sehen das da hinten raus nur noch der schwarze Kohlenpott kommt, werden Sie im Grunde genommen ein Problem haben da überhaupt in so ein Eigenverwaltungsverfahren zu gehen. Da ist man möglicherweise eher auf der Entwicklung des Rückbaus bzw. im Grunde einer Liquidation. Das kann passieren. Das wird kein Flächenphänomen sein aber ich würde sagen es wird Unternehmer treffen. 

Braun: Wenn wir jetzt mal ein bisschen quasi schon angeschnitten haben, welche Restrukturierungs- und Sanierungsinstrumente es denn gibt. Wir haben ja gerade gehört, dass es Schwierigkeiten durchaus gibt bei der Eigenverwaltung, wenn ich ein nicht nachhaltiges Geschäftsmodell habe. Wie sehen Sie das denn jetzt mit Blick auf das StaRUG, weil das ja auch entsprechend Anforderungen hat. Zum Teil ähnlich zu einem Schutzschirmverfahren, also ich darf noch nicht zahlungsunfähig sein, ich muss den Gläubigern eine gewisse Zukunftsperspektive anbieten. Welche Auswirkungen wird das dann haben aus Ihrer Sicht?

Riedel: Auch da glaube ich 1 zu 1 das ist kein Unterschied. Wer dort keine Perspektive für eine Finanzierung hat, der nachhaltig seine Kapitaldienste erwirtschaften kann oder sie gefährdet, wird nicht StaRUG-fähig sein. Also wir haben da auch die kurzfristige Finanzierung. Wir sehen da auch aktuell in den Entwicklungen, dass es eher eine finanzielle Restrukturierung wird. Aber Finanzierung geht immer mit Vertrauen einher. Und Vertrauen ist eine Frage wie ich auf die Zukunft setze und wenn ein Unternehmen offenkundig ESG-Kriterien und das sind übrigens nicht nur Umweltkriterien, das sind ja auch soziale Kriterien und im Governance-Bereich eben auch Aufsichtskriterien, Stichwort Wirecard im Hintergrund. Also wir haben da schon eine Bandbreite in dem ESG-Bereich, die glaube ich entscheidend sind. Manche die wir heute schon kennen und manche die noch dazu kommen werden. Das sind im Augenblick noch sehr weiche Faktoren, die dümpeln so wie der Morgennebel, die sich möglicherweise wieder verziehen aber am nächsten Morgen wiederkommen. Aber wir müssen einfach davon ausgehen, dass die Finanzierer im Verlaufe der nächsten ein, zwei Jahre hier deutlich härtere Selektionskriterien ansetzen.

Braun: Vielleicht eine Frage an Sie Herr Müller: Wenn ich jetzt sage als Unternehmen „Okay ich habe erkannt da kommt was am Horizont – Herr Riedel Sie haben da gerade den Morgennebel erwähnt. Da will ich mich frühzeitig darauf einstellen. Wie sollte ich denn darangehen, wenn ich sowas in meinem Unternehmen verankern/umsetzen möchte?

Matthias Müller: Die Schwierigkeit ist bei all diesen Schlagworten, sei es jetzt als altbekannte Thema Digitalisierung oder die neueren Nachhaltigkeitsthemen. Ich messe ja gegen eine ungewisse Zukunft. Ich weiß es wird ein Thema, ich weiß aber nicht wann und wie es ein Thema wird. Das beliebte Beispiel „Automotive“. Ich weiß als Zulieferer, dass der Antriebsstrang irgendwann weniger werden wird. Ich weiß aber nicht genau wie die Mengen Cases sein werden. Das heißt, ich muss vielleicht noch mehr als früher in unterschiedlichen Varianten, in unterschiedlichen Cases denken und auch planen. Sowohl hinsichtlich Maßnahmen, aber auch hinsichtlich die GuV-Bilanz und Cashflow um hier einfach vorbereitet zu sein. Und da geht es nicht darum, das auf den letzten Cent durchzurechnet, denn das kann man ja nicht, aber man muss die groben Bandbreiten sicherlich erkennen und auch in Finanzierungsstrukturen oder alles wo ich das Vertrauen von Stakeholdern benötige. Auch von meinem wichtigsten Asset, von meinen Mitarbeitern. Ich muss ja zeigen, dass ich vorbereitet bin. Von daher ist das ein sehr zentrales Thema. Man weiß: Es geht sicherlich nicht so weiter, aber man weiß nicht wie es weiter geht, von daher muss man vorbereitet sein.

Riedel: Aber da kann ich vielleicht ergänzen Matthias, wenn ich das darf. Aber was wir ja wissen, wenn wir jetzt heute damit starten als Unternehmen und uns darauf vorbereiten, dann lernen wir heute schon, dann investieren wir und werden eine deutliche flachere Investitionskurve haben gerade was Fremdmittel anbetrifft, weil wir kontinuierlich jährlich unser Cash auch dafür verwenden. Je länger wir im Grunde genommen eigentlich abwarten, desto mehr werden sozusagen die Investitions- und Veränderungsbedarfe gestaucht und desto steiler geht die Kurve nach oben, was ich an kurzfristigen Investitionsbedarfen habe. Das ist wie eine gestauchte Normalverteilung. Das heißt, wer heute abwartet, wird ja nicht drum herumkommen die Veränderungen zu machen. Er muss nur die gleichen, möglicherweise noch viel höhere Aufwendungen in viel kürzerer Zeit vornehmen. Und das glaube ich kann man aus heutiger Sicht mit den verschiedenen Szenarien, die der Matthias angedeutet hat sehr wohl simulieren, weil es dort darum geht: Wann kommt der optimale Punkt?

Specovius: Herr Müller, Herr Riedel, werden nicht gerade diese Problemkinder Antriebstrang, Kupplung, Kurbelwelle etc. jetzt schon ein Problem haben, nachhaltige Finanzierung hinzubekommen? Weil ja die Finanzierer wissen: Das Geschäftsmodell ist endlich. Und während ein Betrieb das Problem hat, in eine Maschine investieren zu müssen, die sich über zehn Jahre abschreibt, möglicherweise die Finanzierer aber zum Betrieb sagen: „In drei Jahren gibt es dich wahrscheinlich gar nicht mehr“.

Riedel: Da werden sie definitiv ein Problem haben. Sie werden vor allem Finanzierer haben die dann harte Zusagen vom OEM über Abnahmegarantien haben. Das müssen letztendlich die Unternehmen eingehen. Und für die Unternehmer ist es entscheidend, wie sie ihr Produktportfolio nachhaltiger ausrichten. Das ist ja kein Problem, man kann ja in rückläufigen Märkten jederzeit gute Geschäfte machen. Man muss halt nur sein Geschäftsmodell darauf aufbauen, dass man rückläufig ist.

Braun: Jetzt haben wir gerade gehört, das fand ich sehr interessant, dass Vorbereitung extrem wichtig ist. Also jetzt nicht diese Vogel-Strauß-Taktik „ja wird schon irgendwie vorbei gehen, wenn ich den Kopf in den Sand stecke“, dass das eben essentiell ist. Das ist ja auch eine schöne Brücke zu dem Thema der Sanierung/der Restrukturierung. Also je früher ich erkenne, dass ich ein Problem habe und dagegen dann auch was tue, desto größer sind die Chancen. Herr Specovius, eine Frage an Sie: Welche Möglichkeiten habe ich denn jetzt, wenn ich trotz aller Bemühungen die Finanzierung nicht hinbekomme? Dann eben zum Beispiel eine Sanierung anzustoßen, um dann vielleicht auch darüber die Transformation meines Geschäftsmodells, oder die Veränderung dann auch anzustoßen.

Specovius: Da muss man sich auch mal anschauen aus welchen Gründen die Finanzierung nicht funktioniert hat bzw. man die nicht hinbekommen hat. Wenn ich einen heterogenen Bankenkreis habe, der in sich zerstritten ist und ich die außergerichtlich nicht unter einen Hut bringen kann, kann ich ja möglicherweise ankündigen/drohen in ein sogenanntes Restrukturierungsverfahren zu gehen, mit der Möglichkeit dort über eine bestimmte Gruppenbildung die Mehrheiten zu bekommen, sodass sie insgesamt überstimmt werden können. Aber das setzt natürlich auch voraus, dass ich parallel eine Finanzierungsmöglichkeit bekomme die mir, wenn ich aus dem Verfahren herauskomme, die das mittel- und langfristige Überleben auch sichern. Ärgerlich ist ja nur, dass uns bei diesem StaRUG Verfahren bestimmte Möglichkeiten abgeschnitten worden sind, und wir uns ausschließlich auf die finanzwirtschaftliche Restrukturierung konzentrieren können,  wir leistungswirtschaftlich aber sehr stark eingeschränkt sind. Wenn ich das machen will, dann das Risiko habe, dass ich in ein Regelverfahren oder in ein Eigenverwaltungsverfahren eintreten muss, um auf diese Weise zu versuchen alte Zöpfe abzuschneiden und das Unternehmen dann neu aufzurichten. Aber auch dann brauch ich auch eine nachhaltige/ mittelfristige/ langfristige Finanzierung. Und das darf ich bei der Planung des Weges, den ich da gehe schließlich nicht unterschätzen. Das ist nicht so ganz einfach, weil die Banken häufig dann sagen „Ja, wenn ihr einmal in so ein Verfahren zum Beispiel Eigenverwaltung gegangen seid, sind wir raus. Dann sucht euch mal neue“. Das ist häufig nicht so ganz einfach.

Braun: Sie haben jetzt gerade die nachhaltige Finanzierung genannt, also eigentlich muss es ja dann auch ein nachhaltiges Sanierungskonzept geben, um das Unternehmen dann wieder neu aufzustellen.  

Specovius: Ja natürlich. Das sollte ich immer schon erarbeiten. Also wenn ich in so ein Verfahren gehe, ob ich mich da für A oder B entscheide, ist sekundär, aber ich brauche ein vernünftiges Sanierungskonzept. Denn ich muss doch die Gläubiger davon überzeugen, dass es hinterher besser wird und dass sie dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen. Dazu brauch ich ein vernünftiges, auch von einem Externen erarbeitetes Sanierungskonzept, dem die Gläubiger dann auch das Vertrauen schenken, dass das was auf dem Papier steht A – sinnhaftig ist und B – auch umgesetzt werden kann. Und es nicht irgendwelchen Wolkenkuckucksheimen in der Geschäftsführung des Unternehmens entspricht, die in der Tat in der Praxis gar nicht realisiert werden können. Und da ist es gut, wenn an neutraler Stelle, ob das jetzt Wieselhuber ist oder wer auch immer, da ein Stempel drunter setzt „Wir stehen dahinter und denken, dass das so machbar ist“. Oder auch, um zu sagen „Nein das ist nicht darstellbar“. Ich kann nicht 15% Umsatzwachstum annehmen und keiner weiß, wo das herkommen soll.

Braun: Das ist in der Tat eine Sache. Also die Gläubiger müssen ja überzeugt werden, dass es eine bessere Zukunft gibt und da spielt dieses „Vertrauen“ was wir jetzt auch schon mehrfach gehört haben mit Sicherheit eine große Rolle. Herr Riedel, Herr Müller so ein Sanierungskonzept von Externen wie bei Ihnen erstellen zu lassen, kann ja auch eine vertrauensbildende Maßnahme sein. Was wäre denn in solch einem Sanierungskonzept zu beachten unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, der Wetterfestigkeit, wie Sie es vorhin auch genannt haben.

Riedel: Ich glaube das, wenn wir mal die Softfacts betrachten, es ganz zentral um die zukünftige Entscheidungsfähigkeit des Managements geht. Wenn Sie heute wahrscheinlich nach Sanierungsfehlern- und Ursachen und Krisenursachen fragen, dann werden Sie von vielen Stakeholdern die Antwort kriegen: 80 Prozent ist das Management. Ich würde es gerne eher als die Entscheidungsfähigkeit bezeichnen, denn manchmal spielen auch die Gesellschafter eine Rolle, wenn sie nicht direkt im Management sind, dass einfach Strukturen blockiert sind. Und ich glaube das ist ein ganz zentraler Hebel im Sanierungskonzept abgesehen von leistungswirtschaftlichen Maßnahmen, Effizienzmaßnahmen die man erreichen muss. Und ein zweiter Aspekt den man noch mit dazu nimmt, dass eben ein Sanierungskonzept in seiner Finanzierung nicht zu kurz springt. Das heißt man neigt gerne dazu, ich sage mal gerade auch als Gläubiger gerade mal das zuzulassen, was man vielleicht irgendwie – also so wenig wie möglich. Das ist aber auch die Gefahr, weil wir halt auch einfach von Zukunft reden und Zukunft ist Unsicherheit und das müssen wir auch im Sanierungskonzept mit einpreisen. Deswegen müssen wir uns auch an den zukünftigen Bonitätskriterien, die Banken selber geschrieben, haben auch orientieren. Das ist ein spannender Diskurs in der Neugestaltung der Finanzierung – richte ich sie auf das Mindeste aus, oder richte ich sie im Grunde genommen auf eine klassische Bonität, mit gutem Eigenkapital und guten Verschuldungsgrad aus. Ich glaube dieses Spannungsfeld, da kann uns zum Beispiel auch das StaRUG helfen, diese Relationen nachhaltig in einer Finanzierung zu realisieren, wenn sich einzelne Gläubiger dagegenstellen.

Specovius: Mal losgelöst von diesen Punkten die Herr Riedel gerade zutreffenden beschrieben hat, was ich auch als jemand der häufig in solchen Verfahren Externe holt, die ein Sanierungsgutachten dort erstellen, als positiv empfinde, ist, dass ein außenstehender Dritter sich die Geschäftsmodelle und Geschäftsvorgänge anschaut, der möglicherweise auch Branchenkenntnisse hat und mal prüfen kann, ob das was man im Unternehmen seit Jahren oder Jahrzehnten gemacht hat eigentlich noch State of the Art ist oder wo noch Verbesserungspotenzial ist. Und das können Leute wie auch hier wie Herr Müller und Herr Riedel, die ja auch in gewissen Bereichen Branchenkenntnisse haben, die auch Erfahrung aus anderen Unternehmen mitbringen häufig besser tun, als der Unternehmer selber, der sagt „Ich hab das seit 20 Jahren immer so gemacht“.

Riedel: Wir bringen zumindest eine neue Sichtweise rein.

Specovius:  Ja und auch Anregungen über bestimmte Prozesse mal nachzudenken, ob man die nicht anders gestalten kann und ob man da nicht doch Verbesserungspotential erheben kann, das der Unternehmer, der das seit 10 oder 15 Jahren immer so gemacht hat, vielleicht gar nicht mal so sieht. Nicht böswillig, aber er ist ja in seinem eigenen Rahmen gefangen und in seinen Gewohnheiten gebunden.

Braun: Das sind in der Tat sehr spannende Einblicke. Ein Punkt der vielleicht eine Rolle spielt, also ich könnte es mir vorstellen denn wir haben ja immer noch eine Pandemie. Ist das so ein Punkt der aus Ihrer Sicht eine Rolle spielt bei Refinanzierung? Also wenn ich jetzt daran denke das manche Geschäftsmodelle vielleicht auch einfach nicht mehr tragfähig sind. Manche haben jetzt, wenn ich an die IT-Branche denke, durch das Homeoffice Aufträge wie noch nie. Ist das eine Veränderung die Sie feststellen, dass sich da was getan hat oder nachhaltig verändern wird?

Riedel: Also es ist ein Traktor, der uns sicherlich aktuell einen harten Scheinwerfer auf unser Verhalten wirft. Ich befürchte, dass wir aber relativ schnell bei Normalgeschäften wieder in unsere alten Verhaltensweisen zurückkommen. Denn Veränderung an sich ist ja nicht unbedingt immer spannend und auch angenehm für den Menschen an sich, nur wenn es für ihn wirklich einen Vorteil bringt. Und diesen Vorteil sehen wir sicherlich in manchen Homeoffice-Regelungen, dass ist auch bei uns der Fall – im Zaum der Kommunikation, Gläubigerausschüsse – man muss nicht immer unbedingt reisen. Das sind sicherlich Veränderungen die wir haben werden. Geschäftsmodelle glaube ich, werden vielleicht nochmal ein bisschen einen push kriegen, wenn sie nachhaltig und digital sind. Aber ansonsten werden wir hoffentlich Corona relativ schnell vergessen im nächsten Jahr. Auf der anderen Seite werden wir leider Einschläge in den Bilanzen der Unternehmen sehen und dann kommt die harte Wirklichkeit der Bonität wieder zu Tage. Vor allem dann, wenn die staatlichen Stützungsmaßnahmen wegfallen werden (Kurzarbeitergeld und Konsorten). Denn wir leben aktuell in der Tat in einem Zeitfenster, wo man sehr wenig Unternehmen so richtig klagen hört, also zumindest wenig Verbände.

Specovius: Ich mein das sieht man ja auch an der Zahl der Beratungsanfragen, Beratungsmandate die sind ja relativ zurückhaltend im Vergleich zu anderen Zeiten, weil die Unternehmen derzeit über genügend Geld, genügend Liquidität verfügen. Was natürlich auch dazu führen kann, dass sie die Notwendigkeit von Restrukturierungsmaßnahmen im Moment nicht erkennen.

Riedel: Richtig. Es gibt auch Unternehmen die haben auch wirklich gute Geschäfte im Augenblick, auch sehr viel Wachstum – aber die Liquidität hat auch eine Ursache in nicht getätigten Investitionen. Das muss man auch ehrlicherweise sagen. Nicht getätigte Investitionen, Kurzarbeitergeld, Working Capital runtergefahren, das macht die Konten voll. Sodass die Überbrückungshilfen von Unternehmen gar nicht angefasst werden bzw. gar nicht verwendet werden. Also wir werden insofern wenn diese Überbrückungsgelder, die Stützen wegfallen, die Investitionen anfallen, das Working Capital in manchen Unternehmen wieder hochfährt, werden wir definitiv Veränderungen in der Finanzierung sehen. Und das sehen wir jetzt schon, dass hier die ersten Anfragen über ein Neuaufsetzen der Finanzierung und auch das Loswerden von öffentlichen Geldern, also KfW-Krediten die doch sehr starke Eingriffe in die Autonomie des Unternehmens haben, aktuell am Anfang einer Welle sind.

Specovius: Und was wir auch sehen ist, dass es einige Branchen gibt die jetzt nachdem sie langsam wieder hochfahren können, Personalprobleme haben, weil sie ihre Mitarbeiter nicht mehr bekommen gerade in der Gastronomie, Restaurant und Hotelbereich. Hier in der Gegend, in der wir jetzt leben, die lebt auch sehr stark von der Gastronomie. Und dort ist es, dass manche Restaurants und Hotels nicht mehr in dem Maße öffnen können wie sie es eigentlich gerne würden, weil sie das Personal nicht mehr haben. Denn die haben sich in der Zwischenzeit anderweitig orientiert.

Riedel: Ja das ist so. Wir werden hier eine Ressource um den Menschen haben, die wird sehr spannend werden in den nächsten Jahren. Und wer hier sich entsprechend drauf einstellt und deswegen sind die Sozialkriterien glaube ich auch ganz wichtig für die junge Generation, die vielleicht nochmal eine zusätzliche Sichtweise darauf hat und es auch wahrnimmt. Und wer dem nicht gerecht wird, wird ein Problem haben. Das sehe ich aber auch Querbeet, das muss kein Sanierungsfall sein. Das ist wirklich der tägliche Kampf für viele Unternehmen die einfach gut dastehen und wachsen wollen. Wo kriege ich die Leute her? An welche Standorte kriege ich sie her? Wie sieht die Infrastruktur in den Standorten aus? Das sind harte Kriterien die sich zukünftig auch noch verschärfen werden.

Braun: Also ich sehe das so, dass es spannend bleiben wird und sich da auch noch viel tun wird. Und es hat sich ja gerade gezeigt, dass es viele Faktoren gibt, die Unternehmen beachten sollten bzw. auch viele Stellschrauben an denen sie drehen können. Als Schlusswort bleibt mir nur zu sagen es ist wahrscheinlich sinnvoll sich eine Beratung rein zu holen, bevor es zu spät ist und sich einfach zumindest mal über die Optionen die es gibt zu informieren. Ich denke da haben wir heute auch mal ein ersten Anstoß geben können in welche Richtung es gehen kann. Also ich sage Ihnen drei schonmal vielen Dank für das sehr aufschlussreiche und interessante Gespräch und ich freue mich sehr darauf, wenn wir das bei passender Gelegenheit fortführen können. Vielen Dank.


Listen Restructure Restructum

In diesem Podcast beschäftigen wir uns mit Change Management und dem neuen Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz, kurz StaRUG. Es geht um die Anwendung, Erfahrungen und Lehren, die man daraus ziehen kann, und um Führung in der Krise. Denn in jeder Krise liegt auch eine große Chance, mit neuem Schwung in die Zukunft zu starten.